Schräge Linien ab der Hälfte des Clips in der Timeline 4K/59,94fps

  • Hallo zusammen,


    nach über einem Jahrzehnt intensiver Edius-Nutzung und dem regelmäßigen Mitlesen der vielen hilfreichen Tipps hier im Forum, wende ich mich heute zum ersten Mal selbst mit einem Problem an euch – in der Hoffnung, dass jemand eine Lösung kennt.

    Ich arbeite aktuell mit Edius X Pro, Version 10.35.1735 und bearbeite schon seit Längerem Videos meiner GoPro Hero8 Black, bisher immer in 4K mit 30fps. Dabei bin ich bislang sehr gut mit folgendem Workflow gefahren:

    • Ich habe die LRV-Dateien der GoPro (nach Umbenennung in *.mp4) zum Schneiden genutzt, um flüssig arbeiten zu können.

    • Am Ende habe ich die LRV-Dateien einfach durch die Originale ersetzt – das hat immer reibungslos funktioniert.

    Im letzten Urlaub habe ich nun zum ersten Mal in 4K mit 60fps gefilmt (bzw. genau genommen 59,94fps). Leider erzeugt die GoPro in diesem Modus keine LRV-Dateien mehr.

    Um dennoch flüssig arbeiten zu können, habe ich mir aus den Originaldateien kleinere Versionen erzeugt, diese verwendet und später – wie gewohnt – durch die Originale ersetzt. Das Projekt ist auf 4K/59,94fps eingestellt.

    Das Problem:

    Nach dem Austausch der Dateien durch die Originale erscheinen ab der Hälfte des Materials schräge rote Linien auf der Timeline. Beim Abspielen läuft alles in halber Geschwindigkeit – Ton und Bild wirken wie in Zeitlupe, auch schon vor dem Export.

    Ich konnte feststellen, dass beim manuellen Ändern der Clip-Eigenschaften von 59,94 auf 29,97fps die roten Linien verschwinden. Dennoch bleibt der Slow-Motion-Effekt beim Export bestehen.

    Interessant ist:

    Wenn ich die Originalclips neu und manuell in die Timeline einfüge (also nicht durch Überschreiben im Verzeichnis ersetze), funktioniert alles wie es soll – aber das würde bedeuten, alle 130 Clips samt Schnitten und Effekten neu zu bearbeiten, was mein Rechner mit den großen Dateien kaum flüssig bewältigt.

    Meine Frage an euch:

    Gibt es eine Möglichkeit, die bestehenden Platzhalter (kleinen Dateien) in der Timeline durch die Originale zu ersetzen, ohne dass das Projekt in halber Geschwindigkeit abspielt? Hat jemand eventuell eine Idee oder ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Ich wäre für jeden Hinweis sehr dankbar!


    Viele Grüße

    Paul

  • Um dennoch flüssig arbeiten zu können, habe ich mir aus den Originaldateien kleinere Versionen erzeugt, diese verwendet und später – wie gewohnt – durch die Originale ersetzt. Das Projekt ist auf 4K/59,94fps eingestellt.

    Hi,


    was meinst Du mit "kleinere Versionen" - > eine geringere Auflösung, oder eine gringere Bitrate, und welcher Codec, welche Bildrate?


    Bitte am besten mal einen genauen Vergleich (möglichst MediaInfo Baumstruktur) der Originale und der von Dir erstellten "keineren" Clips.


    Meine Vermutung wäre, dass da irgendetwas mit den Bildraten nicht stimmt.

    Denn die "roten Linien" zeigen an, dass der ausgetauschte Clip nicht über die nötige Spiellänge verfügt.

    Das würde z.B. auch passieren, wenn Du einen Clip in Zeitraffer wiedergibst, denn dadurch verkürzt sich ja dessen Spiellänge.



    Gibt es eine Möglichkeit, die bestehenden Platzhalter (kleinen Dateien) in der Timeline durch die Originale zu ersetzen, ohne dass das Projekt in halber Geschwindigkeit abspielt? Hat jemand eventuell eine Idee oder ähnliche Erfahrungen gemacht?

    Dazu müsste man erstmal genau sehen, warum das passiert.



    Ansonsten ist Deine Vorgehensweise auch sehr ungünstig.


    Einerseits bietet Edius X die Möglichkeit im Player/Recorer oben rechts die Vorschau zu reduzieren.


    Wenn Du dort statt Voll auf 1/2 stellst, solltes Du i.d.R. eine flüssige Vorschau bei hoher Bildqualität erhalten.

    Hierbei werden also keine "kleineren" Dateien erzeugt, sondern lediglich die Anzeige der Vorschau vermindert.


    Sollte die Vorschaureduzierung auf Deinem System keine flüssige Wiedergabe ermöglichen kannst Du auch den Proxy-Modus nutzen.

    Hierbei erzeugt Edius selbsttändig geringer aufgelöste Dateien (was einen Moment dauern kann) über die der Schnitt erfolgen kann.

    Diese sind dann auch stimmig, sodass es hier keine Probleme geben sollte.

    Zur Ausgabe (Export) musst Du dann nur den Proxy-Modus ausschalten und Edius verwendet die Originale für den Export.


    Den Proxy-Modus findest Du im Edius Menü > Modus.

    Zusätzlich kannst Du in den Edius Systemeinstellungen > Anwendung > Proxy auch die Größe (Qualität) der Proxys wählen.

    Ich würde da zunächtst zu "Groß" raten.



    Gruß

    Peter





    ASUS Prime X299-A II, i9-10980XE, 64 GB, Nvidia RTX 2080Ti, BMD UltraStudio 4K Mini, RME Fireface 400, Win 11 Pro , EDIUS 11 WG

    Steinberg Cubase Pro, WaveLab Pro, SpectraLayers Pro

  • Vielen Dank, Peter, für die schnelle erste Hilfe! Die Wurzel des Übels hast Du glaube ich direkt erkannt.

    Leider habe ich sehr offensichtlich beim Konvertieren in das „kleinere“ Format einen Fehler gemacht. Ich habe nicht darauf geachtet, in welches Format ich genau konvertiere – Hauptsache kleiner. Dabei war mir nicht bewusst, dass ich die FPS nicht ändern sollte. Ich dachte die Datei wird ohnehin ersetzt.

    Original:

    "Kleine" Datei, mit der ich im 59,97 Projekt gearbeitet habe:


    Den Tipp mit der Vorschau setze ich sofort um. Und der revolutionäre Hinweis zum Proxy-Modus scheint tatsächlich für die Zukunft meine Lösung zu sein. Damit kann ich die deutlich besseren Aufnahmen mit 60 bzw. 59,97 fps von der GoPro8 Black verwenden, anstatt mich auf die 30fps-Version beschränken zu müssen.

    Allerdings sind die Dateien echt heftig: Bei einer Bitrate von etwa 100-110 kbit komme ich auf rund 14 GB für 20 Minuten. Im Vergleich dazu war die 30fps-Version bei etwa 60 kbit deutlich kleiner.


    Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie ich das fertige „versaute“ Projekt ohne komplett neuen Aufwand für Schnitt, Ton etc. zum Laufen bekomme. Das Projekt wurde ja schließlich mit den 29,97 fps-Dateien erstellt. Leider lässt sich Edius nicht zweimal öffnen (oder doch?), sonst könnte ich das Projekt neu anlegen und gleichzeitig das alte Projekt offen haben, um die Schnitte zu überprüfen.

    Vielleicht ist noch eine Idee eine weitere VA-Spur hinzuzufügen, dort dann die großen Dateien einzusetzen und im Proxy Modus die Schnitte und Tonregulierung dann von der ersten VA-Spur nachzubilden.

  • Richtig, die Bildrate (FPS) solltest Du bei sowas nie verändern, weil dann eben der Schnitt nicht mehr stimmt.

    Deine "kleinen" Dateien hatten nur die halbe Bildrate des Projektes, mussten also vom NLEverdoppelt werden.

    Und das veruracht jetzt diese Fehler beim Austausch gegen die Originalclips.


    Das jetzt wieder zu "reparieren" dürfte schlecht bis unmöglich sein.

    Insoweit musst Du wohl leider nochmal alles neu schneiden.



    Vielleicht ist noch eine Idee eine weitere VA-Spur hinzuzufügen, dort dann die großen Dateien einzusetzen und im Proxy Modus die Schnitte und Tonregulierung dann von der ersten VA-Spur nachzubilden.

    Das geht.


    Auf die neue (obere) VA-Spur eben die gleiche Clipreihenfolge und Länge, wie bei Deinem Schnitt auf der unteren Spur.

    Proxy-Modus benötigst Du da eigentlich erstmal nicht, denn den Abgleich kannst Du auch bei stehender Wiedergabe machen.


    1. Also immer zum 1 Bild des Clips springen und die obere Spur dann aus-/einblenden, so siehst Du, ob die Bilder übereinstimmen.
    2. Wenn nicht, obere Spur entsprechend trimmen.
    3. Evtl. aufgelegte Effekte sollten sich dann clipweise kopieren lassen, Übergänge ebenso.

    Ist natürlich immer noch immer eine ziemliche Arbeit, aber vielleicht besser als alles neu machen.



    Allerdings sind die Dateien echt heftig: Bei einer Bitrate von etwa 100-110 kbit komme ich auf rund 14 GB für 20 Minuten. Im Vergleich dazu war die 30fps-Version bei etwa 60 kbit deutlich kleiner.

    Nun, Du hat halt pro Sekunde die doppelte Bildanzahl.

    Diese ergeben dann halt auch fast die doppelte Dateigröße.

    Wobei es natürlich Mbit/s und nicht kbit/s heißen muss.


    und bei den heutigen Speichermedien sollte das eigentlich auch kein Problem sein.


    Gruß

    Peter

    ASUS Prime X299-A II, i9-10980XE, 64 GB, Nvidia RTX 2080Ti, BMD UltraStudio 4K Mini, RME Fireface 400, Win 11 Pro , EDIUS 11 WG

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  • Ja, der im Text zuletzt erwähnte Workaround, um das aktuelle Projekt zu retten, funktioniert. Ich habe eine zweite VA-Spur hinzugefügt und dort alle Originaldateien erneut eingefügt. Im Proxy-Modus habe ich dann die Schnitte der neuen VA-Spur mit denen der alten abgeglichen + nachgestellt. Eine Funktion, mit der man Schnitte zwischen im Wesentlichen identischen Dateien kopieren kann, habe ich leider nicht gefunden. Das Nachstellen ist zwar etwas aufwendig, aber mit dem neuen Proxy-Wissen nehme ich die zusätzliche Arbeit gerne in Kauf.

    Zum Test habe ich die ersten 2 Minuten mit H.265 (HEVC, NVIDIA Hardwarecodierer) exportiert und die Qualität auf meinem 65-Zoll-Fernseher betrachtet. Ich habe eine Bildqualität erreicht, die ich von privaten Aufnahmen bisher noch nie gesehen habe – einfach großartig! Nochmals vielen Dank, Peter!

  • Gerne,


    reicht auf Deinem System (die Daten dazu sind ja leider hier nicht bekannt) denn die Reduzierung der Vorschau für eine Echtzeitwiedergabe nicht aus?

    So könntest Du halt sowohl die Rechenzeit für die Erstellung der Proxys, wie auch deren Speicherplatz sparen (obwohl letzterer ja nicht groß ist).

    ASUS Prime X299-A II, i9-10980XE, 64 GB, Nvidia RTX 2080Ti, BMD UltraStudio 4K Mini, RME Fireface 400, Win 11 Pro , EDIUS 11 WG

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  • Ah, ich habe jetzt meine Ausstattung hinterlegt.

    Nein, die reduzierte Vorschau allein reicht leider nicht aus, sobald ich den Proxy-Modus deaktiviere, läuft fast nichts mehr.

    Der ist also wirklich Gold wert!

    Mein Rechner ist schon fünf Jahre alt. Ich gönne mir nur alle zehn Jahre ein neues Gerät – der nächste ist also erst 2030 dran. ;)

  • Ok,


    mein Rechner ist ja auch nicht jünger und wird hier auch noch etwas länger laufen...


    Bei der Echtzeit kommt halt auch immer auf das Quellmaterial an.

    Da könnte das H.265/HEVC aus der GoPro schon etwas problematisch sein, weil Edius X das noch nicht über die Nvidia decodiert hat.


    Ok, aber mit Proxy sollte das ja eigentlich dann funktionieren.

    Du musst halt nur daran denken den Proxy-Modus vor dem Export abzuschalten, das ist in der Eile schnell mal vergessen :pinch:

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