Clips von Smartphone und Camcorder mischen

  • Hallo Zusammen,

    In einem Projekt 1440 x 1080 habe ich einige Clips die mit einem Smartphone aufgenommen wurden. Diese Clips habe ich angepasst gemäss Video Tip der Filmpraxis (Zeiteffekt > Geschwindigkeit > Halbbildoption > nächster Nachbar. Die einzelnen Bilder sind nun i.O. Aber beim Abspielen, sowohl in der Timline als auch im exportierten Projekt ruckeln diese Clips und Zittern leicht horizontal.
    Die Bildrate des Projektes ist mit 25, Oberes Halbbild eingestellt. Dem entsprechen auch die Clips vom Camcorder. Für die Clips vom Smartphone habe ich versucht das Problem zu lösen und zusätzlich zur oben genannten Einstellung die Bildrate von 29.8 auf 25 gewechselt. Das Bildformat blieb aber bei 1280 x 720. Exportiert wurde das Projekt mit H264/AVC.
    Was könnte ich noch versuchen um die Clipfolge (ca. 45 Sekunden Vorführdauer) ohne Ruckeln und Zittern auszugeben?
    Besten Dank zum Voraus für die Unterstützung!

    Beste Grüsse Smily 44

  • Hi,


    gut, Du hast da vermutlich mehrere Probleme, die hier eine Rolle spielen:


    • Projekt 1440x1080 interlaced - so verstehe ich den Text es jedenfalls, also 50i - deutet entweder auf ein 4:3 FHD mit quadratischen Pixelseitenverhältnis, oder (was ich befürchte) auf ein 16:9 HDV Projekt mit einem Pixelverhältnis von 1:1,333 hin.
    • Ausgabeformat 1280x720 = FHD, also Reduzierung der Auflösung und ggf. eben Umrecfhnung von rechteckigen auf quadratische Pixel.
    • Smartphoneaufnahme (also vermtlich variable Bildrate) mit einer vom Projekt abweichender Bildrate von 29,97/30p. die Du dann auch noch auf 25p reduzierst, um sie im Projekt auf 50i quasi verdoppeln zu müssen.


    Das ist eine absolut ungünstige Zusammenstellung, die halt nur Probleme verursachen kann.


    Deshalb Fragen dazu -

    1. warum 1440x1080 Projekt?
      sollte es wie vermutet HDV Quellmaterial sein, verwende lieber ein "normales FHD Projekt 1920x1080 (50i?), das verbessert zumindest schonmal bei Titeln und anderen Grafiken (Standbildern das Bid;
      alternativ evtl. gleich ein 1280x720 (50i?) Projekt anlegen;
      wenn möglich lieber mal versuchen das I-Quellmaterial zu deinerlacen und dann in einem progressiven Projekt zu arbeiten
    2. warum Ausgabe als 1280x720?
      besser wäre da ggf. gleich in dieser Auflösung zu arbeiten - s. 1-
    3. wie sind die genauen Daten der verwendeten Quellmaterialien (MediaInfo -Baumdarstellung) ?
      dann kann man besser entscheiden was hier sinnvoll sein könnte um es auf einen "Nenner" zu bekommen.


    Und evtl. auch noch Deine Edius Projekteinstellungen als Screenshot, damit man da auch nochmal drüber schauen kann, obwohl die halt grundsätzlich als ungünstig erscheinen.




    Gruß

    Peter

    ASUS Prime X299-A II, i9-10980XE, 64 GB, Nvidia RTX 2080Ti, BMD UltraStudio 4K Mini, RME Fireface 400, Win 11 Pro , EDIUS 11 WG

    Steinberg Cubase Pro, WaveLab Pro, SpectraLayers Pro

  • Hallo Peter,

    Vielen Dank für diese Inputs.
    Die Projekteinstellungen wurden druch den seinerzeitigen Import ab Camcorder übernommen. Für neue Projekte sollte ich wohl mal dort das Aufnahmeformat überprüfen.

    Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt - das Ausgabeformat des Projektes ist H264/AVC. Die Angabe 1280x720 bezieht sich auf die Clips vom Handy.

    Das Quellmaterial; Camcorder

    Smartphone

    Ich hoffe, diese Angaben helfen weiter.

  • Ok, meine Sicht der Dinge:


    Teil 1 - Camcorder:


    So wie ich das lese, handelt es sich wie bereits vermutet tatsächlich um ein HDV mit 1440x1920 50i (25 Bilder interlaced) bei 16:9 Bildverhältnis, also Pixelseitenverhältnis von 1:1,333. Auch wenn die Speicherung dann als H.264/AVC erfolgte.


    Diese Auflösung als Projekteinstellung zu wählen würde m.E. nur Sinn machen, wenn die Ausgabe = Export auch wieder als HDV, also vorzugsweise auf Bandmaterial gehen soll.


    Für die Ausgabe in eine zur Wiedergabe auf dem PC, TV, oder ähnlichen Geräten gedachte Datei, bietet sich - jetzt rein das Camcordermaterial betrachtet - eher die Verwendung eines entsprechenden FHD-Projektes, also die Auflösung 1920x1080 50i 16:9 mit Pixelseitenverhätnis 1:1 an.

    Denn die Pixelumstellung auf 1:1 erfolgt bei der Wiedergabe auf heutigen Geräten sowieso. Bei der "normalen" FHD-Auflösung werden aber Titel, Grafiken, Standbilder in dieser besseren Auflung erstellt, müssen also nicht umgerechent werden. Das ist insbes. bei Schrift (z.B. eben `Titel) durch deutlich bemerkbar.



    Eine noch höhere Qualität würdest Du halt durch Deinterlacen und gleichzeitiges Skalieren auf FHD 1920x1080 erhalten.

    Leider ist da Edius X beim Deinterlacen nicht sehr gut, sodass dies eher durch ein externes Programm, wie z.B. Topaz erfolgen sollte, wenn Deinterlacen beabsichtigt ist.

    Hierbei müsste man dann auch entscheiden, bzw. vergleichen, ob das Deinterlacen nach den dann üblichen 25p, oder wie es eben modernere (AI) Tools alternativ anbeiten nach vollen 50p ein besseres Ergebnis liefert.


    Soweit rein zum Camcordermaterial.





    Teil 2 - Smartphone:


    Hier liegt nur eine (in dem Fall ungünstige) HD-Auflösung von 1280x720 30p, aber mit variabler Bildrate vor.


    Dieses Material lässt sich allein wegen der variablen Bildrate in einem NLE leider nur sehr schlecht bearbeiten.

    Hier sollte also auf alle Fälle ein Umwandlung des Material in ein besser zu verarbeitendes Quellmaterial mit konstanter Bildrate erfolgen.


    Dies kann auch in Edius selbst erfolgen (z.B. umwandeln nach GV HQ/HQX) , bei den variablen Bildraten sind aber oft externe Programme (z.B. Handbrake) etwas besser im Ergebnis. Das müsste man am vorliegenden Material testen.




    Wenn Du weiterhin Aufnahmen aus Camcorder und Smartphone "mischen" möchtest, solltest Du versuchen die Einstellungen im Smartphone zu verbesserm. Hierzu würde dann gehören die Auflösung möglicht auf 1920x1080 zu setzen bei einer PAL-tauglichen Bildrate von 50p.


    Das ist aber abhängig vom Smartphon, was da überhaupt möglich ist. Wobei eine sog. Kamera-App evtl. bessere Einstellmöglichkeiten bieten und ggf. sogar eine konstante Bildrate ermöglichen können.

    Hat jetzt aber mit der derzeitigen Situation nichts zu tun.




    Teil 3 - mischen des derzeit vorhandenen Materials.


    Wie gesagt ist das was hier vorliegt eine sehr ungünstige Kombination, denn da stimmt halt alles nicht überein. Daraus einen "sauberen" Film zu machen ist schon schwer.


    Mein Vorschlag wäre -

    • da Du ja den Film letztlich sowieso in der Smartphone-Auflösung 1280x720 ausgeben möchtest, solltest Du diese Auflösung auch als Projekteinstellung verwenden;
      es bringt nichts das 1280x720 Material zunächst hochzuskalieren , nur um dann im Export die Auflösung wieder zu reduzieren, dann lieber gleich im Projekt das 1440x1080 Material auf 1280x720 skalieren;
    • bei der Wahl der Bildrate käme es wohl auf die Anteile von Camcorder und Smartphone an;
      wenn da also ein Material nur geringfügige Anteile haben sollte, dann lieber die Bildrate des eindeutig überwiegenden Materials verwenden;
    • eine progressive Bildrate wäre insbes. dann zu empfehlen, wenn das Camcordermaterial deinterlaced werden könnte;
    • auf alle Fälle aber das Smartphonenmaterial auf eine konstente Bildrate wandeln lassen, ggf. gleich mit Anpassung der Bildrate auf die Projektbildrate.

    Auch damit werden sich gewisse Bildfehler nicht verweiden lassen, aber es sollte hoffentlich soweit zu reduzieren sein, dass es "ansehnlich" wird.


    Deshalb in Zukunft derartig ungünstige Konstellationen möglichst verweiden.


    Gruß

    Peter

    ASUS Prime X299-A II, i9-10980XE, 64 GB, Nvidia RTX 2080Ti, BMD UltraStudio 4K Mini, RME Fireface 400, Win 11 Pro , EDIUS 11 WG

    Steinberg Cubase Pro, WaveLab Pro, SpectraLayers Pro

  • Vielen Dank Peter für den sehr ausführlichen Bericht.

    Ich werde mir das zu Herze nehmen. Allerdings hätte ich folgende Ergänzungen: Ich verwende EDIUS 11.40. Die Ausabe des Projektes ist nicht in der Auflösung für das Smartphone, 1280x720 geplant. Mit der Einstellung H264 AVC immer gute Erfahrungen gemacht - aber noch ohne Integration von Smartphoneclipps.


    Ich werde also mal die Handyclipps mit Topaz AI anpassen und schauen ob ich eine Verbesserung bekomme.


    In einem Beitrag - wie im ersten Post erwähnt - von Thomas Wagner, Filmpraxis ist ja erwähnt, dass Handys mit variabler Bildrate arbeiten. Ob ich die in Camera-App anpassen kann muss ich noch prüfen.

    Nochmals besten Dank für den wirklich ausführlichen Bericht - ich habe wieder einiges gelernt!

    Beste Grüsse Rolf

  • Allerdings hätte ich folgende Ergänzungen: Ich verwende EDIUS 11.40.

    Ok,


    mit Edius 11 gibt es dann sogar schon über den BAT-Server gute Möglichkeiten zum Deinterlacen.

    Da müsstest Du also nicht extra Topaz holen.


    Gruß

    Peter

    ASUS Prime X299-A II, i9-10980XE, 64 GB, Nvidia RTX 2080Ti, BMD UltraStudio 4K Mini, RME Fireface 400, Win 11 Pro , EDIUS 11 WG

    Steinberg Cubase Pro, WaveLab Pro, SpectraLayers Pro

  • mit Edius 11 gibt es dann sogar schon über den BAT-Server gute Möglichkeiten zum Deinterlacen.

    Da müsstest Du also nicht extra Topaz holen.

    Ich habe sehr gute Erfahrungen mit dem Deinterlacing (BAT-Server) in Edius gemacht. Topaz peppt es farblich noch etwas auf, aber das ist Geschmacksache (manchmal übertrieben) und meines Erachtens den hohen Preis von Topaz nicht wert. Ich wandle die zu bearbeitenden Clips immer erst nach HQX um, nach Erledigung des Deinterlacing kann man sie wieder löschen.

    PC: Edius Pro 9.5xx, Edius 11
    Intel® Core™ Ultra 9 Desktop-Prozessor 285K

    Mainboard ASUS Prime Z890-P
    Arbeitsspeicher (RAM) 32 GB
    Grafik NVIDIA GeForce RTX 5060ti 16GB
    Primäre Festplatte SSD Samsung 970 EVO plus M.2 NVMe 500GB
    Weitere: WD Blue SATA-SSD 2TB, Intel M.2 NVMe

    Windows 11 Pro 64bit


    Laptop: Dell G15, Intel i7 11800H 4,6Ghz, NVIDIA RTX GeForce 3050Ti, Win 11 Edius 11 (Zweitlizenz)


    Kamera Sony FDR-AX 700, DJI Osmo Action 4, DJI Mini 2, Xiaomi 13T pro