30p und 50p in einem Edius 7 Projekt

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • 30p und 50p in einem Edius 7 Projekt

      Ich habe während einer Veranstaltung mit zwei Kameras gefilmt. Dummerweise lassen sich die Aufnahme-Framerates beider Kameras in der 1920x1080er Full-HD Auflösung nicht auf einen Nenner bringen. Somit hat die erste Kamera mit 30 fps (29,97 fps) progressiv in Full-HD und die zweite mit 50 fps progressiv in Full-HD aufgenommen. Nun möchte ich die Filme beider Kameras in einem Edius 7 Projekt zusammenführen. Wie soll ich nun am geschicktesten vorgehen? Meine Ideen dazu sind wie folgt:

      - In Edius ein 1920x1080er Projekt mit 30fps anlegen
      - Filmmaterial beider Kameras (30p und 50p) importieren
      - Da Edius gemäß Datenblatt das „Mixed Format Editing“ beherrscht, dass es erlaubt, das PAL und NTSC Quellen in einem Projekt kombiniert werden können, das Filmmaterial einfach in die Timeline ziehen.

      Nun meine Fragen:
      Wie sind eure Erfahrungen mit dem Mischen von PAL und NTSC wie in meinem Fall von 30p und 50p Quellen? Bekommt Edius 7 das sauber hin? Bleibt der Ton beim zu konvertierenden Filmmaterial (in meinem Fall die 50p Filme) synchron zu den Filmen?
    • Edius beherrscht das Konvertieren in Echtzeit. Die Qualität ist okay, aber nicht optimal.
      Für bestmögliche Normwandlung braucht man Zusatzsoftware (Twixtor, MV Tools etc.) oder einen hochwertigen Hardware-Normwandler; die arbeiten mit Frame-Interpolation, also sie berechnen Zwischhenbilder mit Bewegungsanalyse und Morphing.

      Standardmäßig kommt in Edius das Blending-Verfahren zum Einsatz (proportionales Überblenden der angrenzenden Originalbilder), was auf Einzelbildern zu Doppelkonturen und insgesamt zu leichten Rucklern führen kann. Alernativ kann man das Nearest-Neighbour-Verfahren verwenden, also das Wiederholen bzw. Auslassen von Frames sowie Beschleunigen/Verlangsamen der restlichen Bilder; dies vermeidet Doppelkonturen, ruckelt aber stärker.
      Ob Blending oder Nearest-Neighbour besser aussieht, hängt vom Material und der darin enthaltenen Bewegung ab. Gleichmäßige Bewegungen kommen mit Blending besser raus, wilde Schwenks/Wackelkamera mit Nearest-Neighbour. In Aufnahmen mit wenig Bewegung (z. B. Stativaufnahmen ohne Schwenk) liefern beide sehr gute Ergebnisse.
      Richtig gut für bewegte Aufnahmen sind aber beide nicht. Ist letztlich eine Frage des Anspruchs. Wenn man nicht den Direktvergleich zum Original hat, fällt so mancher Nachteil gar nicht mehr auf.
      Immerhin hast Du schon zwei progressive Formate, was die Sache etwas vereinfacht. Mit Interlace-Formaten wird es etwas komplizierter, denn Edius geht beim Wandeln nicht optimal mit den Halbbildern um.

      Prinzipbedingt ist die Qualität der Wandlung auch von der Größenordnung der Frameraten abhängig: Je kleiner die zeitlichen Abstände zwischen den ursprünglichen und späteren Frame-Positionen sind, desto weniger kann beim Erstellen der neuen Bilder schiefgehen. (Das gilt fürs Blending genauso wie für die hochwertige Frame-Interpolation mittels Zusatzsoftware.) Zum Beispiel die Wandlung von 50 auf 30 fps (oder umgekehrt) funktioniert bereits wesentlich feiner als z. B. eine Wandlung von 25 auf 30 fps.

      Probleme mit dem Ton gibt es übrigens keine. Der Ton bleibt in Edius immer schön synchron, egal welches Wandlungsverfahren zur Anwendung kommt.

      Die Frage der Projekteinstellung würde ich am gewünschten Ausgabeformat festmachen. Solange die Aufnahme hauptsächlich im Internet laufen soll, ist 30p okay. Wenn der Film (auch) auf Blu-ray oder gar DVD erscheinen soll, würde ich ihn eher in 50p rendern.
    • Hallo beiti,
      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Twixtor scheint es nach meinen Recherchen nicht als Plugin für Edius 7 noch als Stand-Alone Variante zugeben. Ist Dir ein Plugin für Edius 7 bekannt, das wie Du schreibst, mit Frame-Interpolation arbeitet, also Zwischenbilder mit Bewegungsanalyse und Morphing berechnet?

      Die MV Tools im Zusammenspiel mit VirtualDub und AviSynth lassen sich nur über Scripte starten. Und da scheitere ich schon beim Öffnen des zu konvertierenden Filmmaterials. Die Filme aus Kamera 1 (29,97 fps progressiv) im MOV-Container sind H264 - MPEG-4 AVC (part 10) (avc1) kodiert und aus Kamera 2 (50 fps progressiv) im MTS Format sind H264 - MPEG-4 AVC (part 10) (h264) kodiert. VirtualDub Error: AviSynth Open Failure: DirectShowSource: couldn't open file ....

      Sind Dir weitere Tools bekannt, die das Konvertieren in unterschiedliche Framerates exzellent hinbekommen, aber weniger komplex in der Handhabung sind als die MV Tools?
      .

      beiti schrieb:

      Prinzipbedingt ist die Qualität der Wandlung auch von der Größenordnung der Frameraten abhängig: Je kleiner die zeitlichen Abstände zwischen den ursprünglichen und späteren Frame-Positionen sind, desto weniger kann beim Erstellen der neuen Bilder schiefgehen. (Das gilt fürs Blending genauso wie für die hochwertige Frame-Interpolation mittels Zusatzsoftware.) Zum Beispiel die Wandlung von 50 auf 30 fps (oder umgekehrt) funktioniert bereits wesentlich feiner als z. B. eine Wandlung von 25 auf 30 fps.
      Wenn ich das richtig verstanden habe, ist eine Konvertierung von 50 auf 30 fps und umgekehrt im Ergebnis schlechter bezogen auf das Ausgangsmaterial als eine Wandlung von 30 auf 25 fps. Im ersten Fall müssen mehr Frames weggelassen bzw. hinzugerechnet werden und daher wird das Ergebnis schlechter als im zweiten Fall, in dem weniger interpoliert werden muss. Stimmt’s?

      Gruß Robert

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Canopus ()

    • Canopus schrieb:

      Twixtor scheint es nach meinen Recherchen nicht als Plugin für Edius 7 noch als Stand-Alone Variante zugeben.
      Abgesehen davon ist es auch sehr teuer - für einmaligen Gebrauch noch dazu.

      Mit Kameras in inkompatiblen Frameraten zu drehen, ist ja keine Dauerlösung. Insofern kann es eigentlich nur darum gehen, Dein jetziges Postproduktions-Problem zu lösen. Für die nächste Aufzeichnung solltest Du dann kompatible Kameras bzw. Formate verwenden.

      Die MV Tools im Zusammenspiel mit VirtualDub und AviSynth lassen sich nur über Scripte starten. Und da scheitere ich schon beim Öffnen des zu konvertierenden Filmmaterials.
      Ich habe bei meinen Versuchen das Material zuerst in HQ-AVI umgewandelt. Ist natürlich ein zeitraubender Umweg, und es gibt immer noch einige Fallstricke. Falls es Dir hilft, hier ein Bericht über meine Versuche:
      forum.slashcam.de/frame-interp…it-avisynth-vt112733.html
      Die Diskussion ist leider etwas abgedriftet und hat am Ende nichts gebracht, aber zumindest das Script im Eingangspost könnte für Dich nützlich sein. Den Yadif-Teil kannst Du weglassen, weil Dein Material nicht interlaced ist.

      Ist Dir ein Plugin für Edius 7 bekannt, das wie Du schreibst, mit Frame-Interpolation arbeitet, also Zwischenbilder mit Bewegungsanalyse und Morphing berechnet?
      Nein.

      An Deiner Stelle würde ich sowie zuerst ausprobieren, ob Dir die Blending-Normwandlung von Edius nicht von der Qualität her ausreicht. Würde ja ganz erheblich Arbeit sparen, und das Publikum weiß den erhöhten Aufwand für bessere Methoden gar nicht immer zu schätzen.

      Wenn ich das richtig verstanden habe, ist eine Konvertierung von 50 auf 30 fps und umgekehrt im Ergebnis schlechter bezogen auf das Ausgangsmaterial als eine Wandlung von 30 auf 25 fps. Im ersten Fall müssen mehr Frames weggelassen bzw. hinzugerechnet werden und daher wird das Ergebnis schlechter als im zweiten Fall, in dem weniger interpoliert werden muss. Stimmt’s?
      Nein, ich habe das genaue Gegenteil behauptet.

      Stell Dir mal als Extremvergleich vor, Dein Ausgangsmaterial liegt mit 1000 fps vor. Daraus könntest Du ohne große Berechnung fast alle anderen Frameraten machen, weil Du immer einen Frame findest, der der neuen Position sehr nahe ist. (Ja gut, Du hättest bei 1000 fps wenig Bewegungsunschärfe, was theoretisch ein Nachteil für die Bewegungen ist. Das wiegt aber in der Praxis nicht so stark wie Abweichungen der Position.)
    • beiti schrieb:

      An Deiner Stelle würde ich sowie zuerst ausprobieren, ob Dir die Blending-Normwandlung von Edius nicht von der Qualität her ausreicht. Würde ja ganz erheblich Arbeit sparen, und das Publikum weiß den erhöhten Aufwand für bessere Methoden gar nicht immer zu schätzen.
      Da hast Du schlussendlich wohl recht! Vielen Dank!